Wo Sie den Wechselrichter Ihres Balkonkraftwerks einstecken, beeinflusst, welche Verbraucher im Haushalt zuerst von Solarstrom profitieren – und damit Ihren Eigenverbrauchsanteil. Dieser Ratgeber erklärt, wie Strom im Hausnetz verteilt wird und warum der Einspeisepunkt eine Rolle spielt.
Ein Hausnetz ist ein Parallelnetz: Alle Steckdosen und Verbraucher hängen gemeinsam an der Hausinstallation und dem Zähler. Wenn der Wechselrichter einspeist, fließt der Strom physikalisch immer dorthin, wo der geringste Widerstand auf den nächsten Verbraucher trifft. Das bedeutet: Theoretisch haben alle Verbraucher gleichen Zugriff auf den Solarstrom – es ist kein „bevorzugter Pfad" möglich.
Trotzdem gibt es praktische Überlegungen, die den Einspeisepunkt relevant machen.
Bei einem Mehrfamilienhaus hat jede Wohnung einen eigenen Zähler. Der Wechselrichter muss in derselben Wohnung eingesteckt werden, deren Zähler er entlasten soll – eine Einspeisung in der Nachbarswohnung würde deren Zähler entlasten, nicht Ihren eigenen. Das klingt selbstverständlich, wird aber bei Gemeinschaftskellern oder gemeinschaftlichen Abstellräumen manchmal vergessen.
Je näher der Einspeisepunkt an den Hauptverbrauchern liegt, desto geringer die Leitungsverluste. In einem typischen Haushalt sind diese Verluste sehr gering (Bruchteile von Prozent) und spielen praktisch keine Rolle. Anders sieht es aus, wenn Sie ein sehr langes Verlängerungskabel nutzen – dann können die Verluste spürbar werden. Verwenden Sie in diesem Fall den richtigen Kabelquerschnitt.
Eine Außensteckdose am Balkon ist ideal: kurze Leitung vom Wechselrichter zur Steckdose, kein Kabel durch das Fenster, kein Sicherheitsrisiko durch eingeklemmte Kabel. Eine Innensteckdose ist ebenfalls möglich, erfordert aber ein sorgfältig geführtes Kabel.
Manche Nutzer fragen, ob es einen Unterschied macht, in welchen Stromkreis (welche Sicherung) der Wechselrichter eingespeist wird. Die Antwort: Nein, weil alle Stromkreise über den Verteiler verbunden sind und der Strom frei im Netz fließt. Der Eigenverbrauch hängt nicht davon ab, in welchen Stromkreis eingespeist wird.
Der Hausanschluss und alle Steckdosen sollten über einen FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter, RCD) abgesichert sein. Das ist bei neueren Installationen Pflicht. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Außensteckdose über einen FI abgesichert ist, fragen Sie eine Elektrofachkraft – dieser Check dauert nur Minuten und gibt Sicherheit.
Der beste Weg, den Eigenverbrauch zu erhöhen, ist nicht der Einspeisepunkt, sondern die zeitliche Abstimmung von Verbrauch und Erzeugung. Schalten Sie energiehungrige Geräte tagsüber ein, wenn die Anlage produziert: Waschmaschine, Spülmaschine, Wasserpumpe, Ladegeräte. Dafür eignen sich Zeitschaltuhren oder Smart Plugs. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zum Lastmanagement.
Der Einspeisepunkt beeinflusst den Eigenverbrauch kaum – entscheidend ist, dass der Wechselrichter im richtigen Haushalt eingesteckt ist und über eine geeignete Steckdose (Schuko oder Wieland) angeschlossen wird. Verwenden Sie ein Verlängerungskabel nur wenn nötig, und achten Sie dabei auf Qualität und Querschnitt.