Wer zwei Module hat, kann eines nach Osten und eines nach Westen ausrichten – das ergibt eine flachere, gleichmäßigere Leistungskurve über den Tag und erhöht den Anteil des selbst genutzten Stroms erheblich. Die Ost-West-Aufstellung eignet sich besonders dann, wenn kein südausgerichteter Balkon vorhanden ist oder der Haushalt morgens und abends viel Strom benötigt.
Eine reine Südausrichtung mit optimaler Neigung liefert den höchsten Jahresertrag. Wer jedoch nur einen Ost- und einen Westbalkon oder eine Dachfläche mit beidseitiger Ausrichtung hat, verliert durch Ost-West nur einen vergleichsweise kleinen Prozentsatz an Gesamtertrag – erhält dafür aber eine deutlich breitere Erzeugungskurve:
Für das Jahresgesamt ist Süd ca. 5–15 % ertragreicher, aber Eigenverbrauch und damit echte Einsparung können bei Ost-West-Verteilung höher sein, wenn der Tagesablauf der Haushaltsmitglieder das unterstützt.
Wichtig: Wenn Sie zwei Module an einem einzigen MPPT-Eingang des Wechselrichters betreiben, erzeugen Module in unterschiedlichen Ausrichtungen gegensätzliche Spannungsverläufe. Das führt zu Verlusten durch Mismatch. Besser ist ein Wechselrichter mit zwei unabhängigen MPPT-Eingängen – je einen für das Ost- und das Westmodul. Viele 800-W-Mikroinverter bieten genau das. Prüfen Sie das Datenblatt Ihres Geräts.
Bei Ost-West-Aufstellung empfiehlt sich ein flacherer Neigungswinkel als bei Süd:
| Ausrichtung | Empfohlene Neigung | Hinweis |
|---|---|---|
| Süd | 30–35° | Jahresertrag optimiert |
| Ost oder West | 20–30° | Flacher = mehr Morgen-/Abendstunden |
| Ost-West kombiniert | 15–25° | Gleichmäßige Kurve, weniger Ertragsverlust |
Die breitere Erzeugungskurve der Ost-West-Aufstellung kommt dem Eigenverbrauch zugute, wenn die Haushaltsmitglieder tagsüber zuhause sind. Wer einen Speicher nachrüstet, profitiert noch stärker: Morgenüberschuss wird für den Abend gespeichert. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zu Balkonkraftwerk mit Speicher.
Da Ost- und Westmodule zu unterschiedlichen Tageszeiten beschattet werden können, ist es besonders wichtig, dass jedes Modul einen eigenen MPPT-Kanal hat. Ein verschattetes Westmodul morgens zieht sonst das unbeschattete Ostmodul mit in einen schlechten Arbeitspunkt. Mehr dazu im Ratgeber Ertrag bei Teilverschattung.
Die Ost-West-Aufstellung ist keine Notlösung – sie ist eine durchdachte Alternative zur Südausrichtung, die besonders dann Sinn ergibt, wenn der Haushalt morgens und abends Strom verbraucht. Achten Sie auf separate MPPT-Eingänge im Wechselrichter und passen Sie den Neigungswinkel an. Für die optimale Ertragsstrategie empfiehlt sich ein Blick in unseren Ratgeber zur optimalen Modulausrichtung.